10.06.05 19:38 Alter: 12 Jahre

Der Mittelspecht soll zum Leittier werden

Von: Kölner Stadtanzeiger, F.A. Heinen

Schleiden. Conrad Franz genießt weit über die Region hinaus einen exzellenten Ruf als Tiermaler. Darüber hinaus ist der Künstler mit heißem Herzen Anhänger des jungen Nationalparks Eifel. Diese Kombination kommt nun auch der „Nationalpark-Hauptstadt“ Schleiden zugute. Franz malte jetzt ein sehr lebendig wirkendes Bild von einem Mittelspecht. Dieses selten gewordene Tier kommt in den alten Wäldern im Raum Gemünd noch recht häufig vor. Daher soll der Mittelspecht zum „Leittier“ der „Nationalpark-Tor“ genannten Informationsstelle in Gemünd werden.

Der von Conrad Franz gemalte Mittelspecht wird künftig als Werbeemblem mit Wiedererkennungswert auf die enge Verbindung der Stadt Schleiden mit dem Nationalpark hinweisen. Briefköpfe und Werbemittel aller Art wird der Urwald-Vogel demnächst tausendfach zieren.

Zuvor hatte Franz bereits das „Leittier“ für das Nationalpark-Tor Heimbach gemalt: die Wildkatze. Seine Arbeiten für den Nationalpark sind für die jeweiligen Gemeinden kostenlos, worüber sich gestern der Schleidener Bürgermeister sehr freute. Hergarten: „Wir wollen, dass der Mittelspecht zum Symbol für die Nationalparkstadt Schleiden wird.“

Für den Geschäftsführer der Touristik Schleidener Tal (TST), Manfred Müller, könnte zumindest im Oleftal das Mittelspecht-Emblem als Werbeträger dem „E“ der Eifeltouristik den Rang ablaufen. Müller: „Wir wollten ein geheimnisvolles Tier als Leittier. Den Specht kann ich mir auf ganz vielen Werbeprodukten vorstellen.“

Tiermaler Franz macht keinen Hehl daraus, dass er bei der Tiermalerei auch fotografische Vorlagen und andere Hilfsmittel verwendet. Dennoch sind seine Bilder keine perfekt gemalten Reproduktionen von Fotos, sondern er haucht den Tieren jeweils eigenes Leben ein. Franz: „In den Bildern ist Seele drin.“

Conrad Franz kannte den Mittelspecht schon früher. Allerdings wusste er auch nicht, dass er in Europa so selten geworden war. Der „Mittelspecht“ trägt seinen Namen wegen der Größe: Er ist kleiner als der verwandte Buntspecht, aber größer als der spatzenartige Kleinspecht. Alle Spechte haben einen roten Farbklecks am Kopf.

Der Mittelspecht unterscheidet sich von den anderen Spechten in seiner Lebensweise deutlich. Im Gegensatz zu Bunt- und Kleinspecht kann der Mittelspecht nämlich nicht klopfen. Daher muss er notgedrungen darauf verzichten, Bäume aufzumeißeln oder das rasende Balztrommeln zu erzeugen. Er ist ein „Such- und Stocher-Specht“, der seine Nahrung aus dem weichen Moderholz toter Bäume pult.

Da in den Wirtschaftswäldern der Eifel die Bäume bisher aus dem Wald geschlagen wurden, bevor sie eines natürlichen Todes starben, fehlte dem Mittelspecht der Lebensraum. Im Nationalpark dürfen die Bäume allerdings im Stehen sterben. In einigen Naturwaldzellen im Kermeter gilt dies schon seit Jahrzehnten, in Teilen des Truppenübungsplatzes Vogelsang sogar schon seit 60 Jahren. So kommt es, dass im heutigen Nationalparkgebiet rund 32 Brutpaare überleben konnten.